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Thema: Blitzschutz - Balkonantenne für Wohnung in geschütztem Haus

  1. #1
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    Frage Blitzschutz - Balkonantenne für Wohnung in geschütztem Haus

    Ok,

    Bitte alles festhalten und ggf. feuerfeste Unterwäsche bereithalten! Ich habe die Forumsuche bemüht und gelesen. Ich habe Fa. Google bemüht und gelesen, dennoch bleibe ich Laie und möchte mein Verständnis hier gern anbieten, um zu lernen falls es nicht korrekt ist.

    Szenario:
    Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus aus 1956. Es geht um den Balkon im 1. von 4 Etagen. Neben dem Balkon verläuft senkrecht ein blanker Draht der für mich aussieht wie ein Blitzableiter. Wenn ich mich richtig erinnere ist das eiserne Balkongeländer damit verbunden (Info wird nachgereicht). Der Vermieter darf angenommen werden als jemand der Anfragen immer ablehnt, wenn das Thema für ihn abwendbar erscheint.

    Vorhaben:
    CB Funk Antenne am Geländer anbringen, z.B. Boomerang o.Ä. welches (nur) zum Betrieb aufgeschraubt wird, und danach wieder im Haus verstaut wird.

    Annahme:
    Da die Antenne nicht weiter als 1.5m vom Haus herausragt und sich mehr als 2m unter dem Dach befindet, brauche ich eigentlich nichts weiter unternehmen als die Antenne eben bei (nahendem) Unwetter nicht aufgebaut haben und das Kabel vom Funkgerät getrennt am Balkongeländer aufgerollt verstauen. Diese Annahme stützt sich auf meine Lektüre der VdS 2031:"Blitz- und Überspannungsschutz in elektrischen Anlagen; Unverbindliche Richtlinien zur Schadenverhütung". Darin steht:

    Unterdach- und Zimmerantennen sowie Außenantennen im geschützten Bereich - Außenantennen im geschützten Bereich (siehe Bild 13) und Antennen, die sich innerhalb des Gebäudes befinden, müssen nicht geerdet werden. Außenantennen im geschützten Bereich sind so zu installieren, dass ein Abstand von mindestens 2 m zwischen Unterkante Traufe bzw. sonstigen leitfähigen Teilen (Dachrinne, Ableitungen von äußeren Blitzschutzanlagen) und Antenne eingehalten wird. Die Antenne bzw. deren Teile dürfen höchstens 1,5 m vom Gebäude wegragen (siehe Bild 13).
    (Quelle: https://vds.de/fileadmin/vds_publika...s_2031_web.pdf)

    Fragen:

    • Ist dieses Dokument auf mein Szenario anwendbar und dafür maßgeblich?
    • Ist meine Annahme falsch, weil das Geländer auf dem ich die Antenne anbringen will unter "sonstige leitfähige Teile" fällt und außderdem noch mit der Blitzschutzanlage verbunden ist?
    • Gibt es in diesem Fall einen einfachen Weg eine solche Antenne sicher anzubringen?



    DANKE für eure Hilfe und sachliche Hinweise

    Bodie
    Geändert von Bodie (16.11.2016 um 15:06 Uhr)

  2. #2
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    Standard

    Zitat Zitat von Bodie Beitrag anzeigen
    Bitte alles festhalten und ggf. feuerfeste Unterwäsche bereithalten! Ich habe die Forumsuche bemüht und gelesen. Ich habe Fa. Google bemüht und gelesen, dennoch bleibe ich Laie und möchte mein Verständnis hier gern anbieten, um zu lernen falls es nicht korrekt ist.
    Beim Thema Bitzschutz von Antennen ist in CB-Foren ein Beißschutz nötiger als feuerfeste Unterwäsche. Seltsam, dass in 6 Tagen die sonst üblichen normfernen Thesen fehlen.

    Zitat Zitat von Bodie Beitrag anzeigen
    Szenario:
    Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus aus 1956. Es geht um den Balkon im 1. von 4 Etagen. Neben dem Balkon verläuft senkrecht ein blanker Draht der für mich aussieht wie ein Blitzableiter. Wenn ich mich richtig erinnere ist das eiserne Balkongeländer damit verbunden (Info wird nachgereicht).
    Grundvoraussetzung für alle Gebäude ist ein längst vorgeschriebener Schutzpotenzialausgleich. Ob auch die Ableitungen bei Baujahr 1956 mit diesem blitzstromtragfähig verbunden sind und nicht in eigenen Erdspießen enden, wäre außergewöhnlich.

    Zitat Zitat von Bodie Beitrag anzeigen
    Fragen:


    • Ist dieses Dokument auf mein Szenario anwendbar und dafür maßgeblich?
    • Ist meine Annahme falsch, weil das Geländer auf dem ich die Antenne anbringen will unter "sonstige leitfähige Teile" fällt und außderdem noch mit der Blitzschutzanlage verbunden ist?
    • Gibt es in diesem Fall einen einfachen Weg eine solche Antenne sicher anzubringdarf dieen?

    1. Die unverbindlichen VdS-Richtlinien sind vom Redaktionsstand her normativ mehr oder weniger überholt, die Definition der sicheren Schutzzone nach DIN EN 60728-11 für Haushaltsantennen und der für CB-Funkantennen maßgeblichen DIN VDE 0855-300 ist aber schon lange konstant.
    2. Formal befindet sich eine Antenne im 1. OG eines Gebäudes mit 4 Stockwerken bis 1,5 m Wandabstand im als sicher bezeichneten nicht erdungspflichtigen Bereich.
    3. Es versteht sich aber von selbst, dass keine Blitzströme von metallischen Hausteilen oder gar Blitzschutzanlagen gegen Antenen in sicheren Fassadenbereichen überspringen dürfen.
    4. Nach Sonderregelung der DIN VDE 0855-300 (nur) für Funksende-/empfangsantennen dürfen nicht erdungspflichtige Afu- und CB-Fassadenantennen mit 1,5 mm Cu über den Schutzleiter (nicht PEN!) von Steckdosen in den PA einbezogen werden. Dieser Anachronismus gilt nicht für Haushaltsantennen und gehört m. E. beseitigt.
    5. Antennen, die sich bei Gebäuden mit Blitzschutzanlagen nach Schutzwinkel- oder Blitzkugel-Verfahren in Blitzschutzzone LPZ 0B befinden, sind zuverlässig gegen direkte Blitzeinschläge gefeit, aber nur wenn auch ausreichend isolierende äquivalente Trennungsabstände nach IEC 62305-3 einzuhalten sind.
    6. Wo die Trennungsabstände nicht einzuhalten sind, muss zur Vermeidung von Lichtbögen gebrückt werden, wodurch ein Bestandsschutz der Blitzschutzanlage erlischt und eine Nachrüstungsverpflichtung auf aktuellen Normenstand auslöst.
    7. Antennen in LPZ 0B wie auch solche, die an (funktionstüchtige und normkonform geprüfte) Blitzschutzanlagen direkt geerdet sind, müssen nach Blitzschutznorm IEC 62305 ausnahmslos mit min. 4 mm² Cu zusätzlich an der HES in den PA einbezogen werden.


    Auch mit dem spärlichen Input zum Gebäude erscheint eine normkonforme und sichere Antennenmontage am Balkon nicht möglich.

  3. #3
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    Zitat Zitat von Bodie Beitrag anzeigen
    Vorhaben:
    CB Funk Antenne am Geländer anbringen, z.B. Boomerang o.Ä. welches (nur) zum Betrieb aufgeschraubt wird, und danach wieder im Haus verstaut wird.
    Mein Rat hierzu:

    Besorg dir eine Drahtantenne von Lambdahalbe.de. Die ist um ein vielfaches effektiver als eine Boomerang und die kannst du auch bei einem sich ankündigenden Gewitter jederzeit einrollen und in die mitgelieferte Tasche verstauen. Zudem ist es versicherungstechnisch auch einfacher, wenn beim großen Knall überhaupt keine Antenne vorhanden ist. Miettechnisch ebenfalls unproblematisch, da nur temporäre Montage.

  4. #4
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    Zitat Zitat von Dipol Beitrag anzeigen
    Beim Thema Bitzschutz von Antennen ist in CB-Foren ein Beißschutz nötiger als feuerfeste Unterwäsche. Seltsam, dass in 6 Tagen die sonst üblichen normfernen Thesen fehlen.
    ...
    wetter immer gut. hier blitzt nix.
    73, Toby




  5. #5
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    Zitat Zitat von Dipol Beitrag anzeigen
    Seltsam, dass in 6 Tagen die sonst üblichen normfernen Thesen fehlen.
    Du bist doch der Fachmann...
    Oder hast auf mich gewartet???

    Seltsam das Du 6 Tage gebraucht hast um diesen Thread zu finden....
    Und dann dem Fragesteller wieder die Normen um die Ohren haust,
    statt einfache Tips zur "fachgerechten" Montage mitteilst.

    Aber lassen wir das lieber sonst artet das wieder aus....

    Fahr jetzt zum Fußball....

    Walter

  6. #6
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    Dipol,

    danke für die ausführliche, wenn auch für mich anspruchsvolle Antwort. Ich fasse mal kurz zusammen, für den geneigten Leser der Zukunft:

    Meine Annahme ist korrekt, die Schlussfolgerung nichts unternehmen zu müssen ist aber falsch. Der Mindestabstand zum Geländer des Balkons kann nicht eingehalten und so ein Überspringen von Blitzströmen nicht verhindert werden, ohne den Bestandsschutz des Gebäudeblitzschutzes nichtig zu machen.

    Das Dokument VdS 2031:"Blitz- und Überspannungsschutz in elektrischen Anlagen; Unverbindliche Richtlinien zur Schadenverhütung" ist für nicht erdungspflichtige CB-Funk Sende/Empfangsantennen auf dem Wohnungsbalkon nicht maßgeblich und außerdem formal veraltet. Hier ist die Norm DIN VDE 0855-300 zu beachten. Die notwendigen, und in diesem Fall entscheidenden isolierenden, äquivalenten Trennungsabstände sind in IEC 62305-3 definiert.

    Soweit klar. Zum Rest deiner Antwort habe ich nicht so klar gesehen. Daher zur Kontrolle etwas Feedback:
    Nach Sonderregelung der DIN VDE 0855-300 (nur) für Funksende-/empfangsantennen dürfen nicht erdungspflichtige Afu- und CB-Fassadenantennen mit 1,5 mm Cu über den Schutzleiter (nicht PEN!) von Steckdosen in den PA einbezogen werden. Dieser Anachronismus gilt nicht für Haushaltsantennen und gehört m. E. beseitigt.
    Bildet diese Sonderregelung eine Alternative zum Einhalten des Trennungsabstandes, oder ist die Sonderregelung in meinem speziellen Fall eher irrelevant?

    Antennen in LPZ 0B wie auch solche, die an (funktionstüchtige und normkonform geprüfte) Blitzschutzanlagen direkt geerdet sind, müssen nach Blitzschutznorm IEC 62305 ausnahmslos mit min. 4 mm² Cu zusätzlich an der HES in den PA einbezogen werden.
    Das ist spannend, aber für meinen Fall auch irrelevant, oder? Ich denke wir gehen beide davon aus, dass das betreffende Gebäude nicht auf dem aktuellen Stand des Blitzschutzes ist, und dass ein Mieter hier auch keinerlei Interesse haben kann seine Miete dadurch zu erhöhen, dass er eine Aktualisierung desselben erzwingt. Die fahrlässige Gefährdung des Gebäudes stufe ich da ganz ähnlich ein .

    Auch mit dem spärlichen Input zum Gebäude erscheint eine normkonforme und sichere Antennenmontage am Balkon nicht möglich.
    Du hast ja nicht nach mehr Input gefragt, dein Fazit erscheint mir aber plausibel insofern ich alles richtig verstanden habe.

    Als gedankliches Experiment würde ich gern wissen welches Gefährdungspotenzial besteht, wenn ein vom Dach abgeleiteter Blitzstrom auf meine Antenne überschlägt. Ich möchte dabei davon ausgehen, dass die Antenne nicht geerdet ist, und dass das Anschlusskabel aufgerollt am Geländer hängt, also nur einseitig an die Antenne angeschlossen ist und nicht in die Wohnung führt.

  7. #7
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    J.T.,

    danke für deinen Tipp. Ich habe kaum etwas positives über Balkonantennen gelesen .. ausser in den Shops . Die Drahtantenne ist aber 7,50m lang .. dafür reicht der Balkon in der Breite nich! Senkrecht nach unten baumeln lassen dürfte aus dem 1. OG auch nix werden. Ich bin schon über einige Anleitungen gestossen sowas zu basteln, da werde ich nochmal nach Inspiration schauen.

    Gruß
    Bodie

  8. #8
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    Zitat Zitat von Bodie Beitrag anzeigen
    J.T.,

    danke für deinen Tipp. Ich habe kaum etwas positives über Balkonantennen gelesen .. ausser in den Shops .
    Naja, zu deren Ehrenrettung muss man jedoch sagen, daß es eben auch nur Kompromisslösungen sind, die ihren Ruf zu unrecht tragen. Hätte es sie nie gegeben, wäre es in der Vergangenheit weit weniger Funkfreunden möglich gewesen überhaupt eine Antenne zu montieren.

    Zitat Zitat von Bodie Beitrag anzeigen
    Die Drahtantenne ist aber 7,50m lang .. dafür reicht der Balkon in der Breite nich! Senkrecht nach unten baumeln lassen dürfte aus dem 1. OG auch nix werden.
    Nun, sie ist aber im wahrsten Sinne des Wortes sehr flexibel. Du kannst sie z.B. auch erst waagerecht und dann nochmal senkrecht aufspannen. Also quasi in einem rechten Winkel. Der Willi schreibt hierzu auch noch folgendes:

    "Die Antenne kann auch geknickt montiert werden. Bei horizontaler Montage ist die Antenne entlang einem Kunststoffhalteseil zu spannen."

    Einfach mal probieren. Der Phantasie sind da kaum Grenzen gesetzt. Ich habe mir z.B. was aus zwei Einbeinteleskopstativen und zwei Balkonschirmhalterungen gebastelt.

  9. #9
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    Da ich vergessen hatte das Thema zu abonnieren, meine Antwort mit Verzögerung.

    Zitat Zitat von Bodie Beitrag anzeigen
    Daher zur Kontrolle etwas Feedback:

    Bildet diese Sonderregelung eine Alternative zum Einhalten des Trennungsabstandes, oder ist die Sonderregelung in meinem speziellen Fall eher irrelevant?
    Die Blitzschutzzone LPZ 0B von Gebäuden mit Blitzschutzanlagen ist weder nach Schutzwinkel- noch Blitzkugelverfahren mit der nicht erdungspflichtigen Fassadenzone nach DIN EN 60728-11 (VDE 0855-1) und VDE 0855-300 deckungsgleich. Die Einhaltung ausreichend isolierender Trennungsabstände gegen Blitzschutzanlagen wie auch gegen einschlaggefährdete metallische Hausteile ist von der Sonderregelung nach DIN VDE 0855-300 getrennt zu betrachten.

    Am 25.10.2016 hatte ich als Gast an der letzten Sitzung des für Antennensicherheit maßgeblichen Normengremiums DKE/K735 den Anachronismus der Sonderregelung der DIN VDE 0855-300:2008-08 angesprochen. Dass man in nicht erdungspflichtigen Fassadenbereichen befindliche Funksende-/empfangsantennen mit 1,5 mm² Cu an Schutzleiter von Steckdosen anklemmen darf, hat bei einigen der Anwesenden ungläubiges Staunen ausgelöst. Das kommt in der nächsten Sitzung des dafür speziell zuständigen AK 1/Sicherheit auf den Tisch und wird dann hoffentlich gestrichen.

    Zitat Zitat von Bodie Beitrag anzeigen
    Das ist spannend, aber für meinen Fall auch irrelevant, oder? Ich denke wir gehen beide davon aus, dass das betreffende Gebäude nicht auf dem aktuellen Stand des Blitzschutzes ist, und dass ein Mieter hier auch keinerlei Interesse haben kann seine Miete dadurch zu erhöhen, dass er eine Aktualisierung desselben erzwingt. Die fahrlässige Gefährdung des Gebäudes stufe ich da ganz ähnlich ein .
    Bei alten Blitzschutzanlagen, die länger nicht mehr geprüft wurden, ist bis zum Beweis des Gegenteils durch eine Blitzschutzfachkraft davon auszugehen, dass Tauglichkeit und Normkonformität nicht gegeben sind. Alles andere ist fahrlässiges Wunschdenken.

    Zitat Zitat von Bodie Beitrag anzeigen
    Als gedankliches Experiment würde ich gern wissen welches Gefährdungspotenzial besteht, wenn ein vom Dach abgeleiteter Blitzstrom auf meine Antenne überschlägt. Ich möchte dabei davon ausgehen, dass die Antenne nicht geerdet ist, und dass das Anschlusskabel aufgerollt am Geländer hängt, also nur einseitig an die Antenne angeschlossen ist und nicht in die Wohnung führt.
    Ein Antennenkabel, das am Geländer aufgerollt ist, kann nicht mehr Blitzströme durch die Wand einkoppeln als das Geländer selbst. Das Risiko, dass über die Außenableitungen der Blitzschutzanlage Blitzströme nach innen auf Elektroleitungen eingekoppelt werden können, ist vermutlich größer. So wie aber der Kabelbund in die Wohnung gelegt wird, muss die Antenne nach DIN VDE 0855-300 gesichert sein.
    Geändert von Dipol (01.12.2016 um 18:19 Uhr) Grund: Textedit

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